Donnerstag, 28. Januar 2010

Wenn Dummheit laufen könnte

Dann würden die FDP und ihre Komparsen jeden Marathon der Welt gewinnen... Aber betrachten wir unseren Berliner Karnevalsverein mal genauer an einem konkreten Beispiel aus der jüngeren Geschichte.

Warum? Es geht um die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen. Argumentation: deutsche Hotels seien im europäischen Wettbewerb durch die zu hohe Mehrwertsteuer benachteiligt. Ja, ne, is klar! Ich hab' Projekt in Frankfurt und fahr' nach Amsterdam zum Übernachten oder was!?

Wie schon andere vorher bemerkt haben hat diese zur Folge, dass Übernachtung und Frühstück aufgrund des unterschiedlichen Mehrwertsteuersatzes zwingend getrennt auf der Rechnung ausgewiesen werden müssen. Mal ein Beispiel aus der Praxis.

Übernachtung in Frankfurt, Firmentarif, Hotelrechnung:
- 99€ in einem Vier-Sterne-Hotel am Stadtrand - Zimmer ohne Frühstück.
- 25€ Frühstück

Ist das Frühstück gesondert ausgewiesen, muss dieses in voller Höhe von der Verpflegungspauschale abgezogen werden. Verpflegungspauschale für 24h Dienstreise in Deutschland:
24€ für 24h.

Da geht man ja wohl nicht frühstücken, oder? Nun ja. In der Vergangenheit wurde der "Firmentarif" so verhandelt und auf der Rechnung ausgewiesen:
- 124€ Übernachtung inkl. Frühstück

Auf diese Weise zog man 4,80€ von den 24€ Verpflegungspauschale ab (24h Dienstreise mit Frühstück) und bekam 19,20€ auf das Konto überwiesen. Dies ist nun nicht mehr möglich, da das Hotel mit einer Komplettrechnung inkl. Frühstück Steuerbetrug begeht. Neue Rechnung:
- 99€ in einem Vier-Sterne-Hotel am Stadtrand - Zimmer ohne Frühstück.
- 25€ Frühstück

In der Übergangszeit übernimmt (bis ein Kompromiss gefunden wird) die Beratungsfirma die 20,20€ Differenz (25€ - 4,80€), die der Dienstreisende als Frühstückender aus eigener Tasche zahlen müsste. Problem gelöst? Mitnichten. Der Gesetzgeber betrachtet die Kostenübernahme von 20,20€ höchstwahrscheinlich (noch nicht abschließend geklärt) aus steuerlich anzusetzenden geldwerten Vorteil. D.h. die 20,20€ müssen mit dem höchsten Einkommenssteuersatz versteuert werden. Ich weiß gerade nicht, wo der so liegt, aber der Kaffee und das Minibrötchen im Hotelrestaurant dürften damit so ca. bei 12€ landen.

Da Berater zwar viel verdienen, aber bei solchen Kleinigkeiten meist sparsam sind, bedeutet dass, dass das Hotel jetzt statt
104,20€ (124€ - 19% MWSt) Umsatz 92,52€ (99€ - 7% MWSt) Umsatz macht, denn ich werde sicher keine 12€ für's Frühstück zahlen, dass ich beim Bäcker um die Ecke für 2€ bekomme.

Long Story Short: die Hotels, die ihren Umsatz mit Geschäftsreisenden machen dürften die Übernachtungspreise erhöhen oder empfindliche Umsatzeinbussen feststellen.

- MWSt hat die Firmen eh nicht interessiert, die wurde durchverrechnet
- Geschäftsreisende gehen mit knurrendem Magen zur Arbeit oder müssen früher austehen für den Weg zum Bäcker
- Privatverbraucher dürfen sich auf steigende Preise für Übernachtungen einstellen
- Hotels werden bis dahin weniger einnehmen
- Der Fiskus nimmt weniger Steuer ein

Zusammengefasst lässt sich sagen um etwas so komplett falsch und widersinnig zu machen, braucht man im Grunde schon Talent. Großes Talent. Einzig die Kioske dürften sich steigender Brötchenabsätze erfreuen.

Der IT-Sicherheitsberater Felix "fefe" von Leitner weist auch darauf hin.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Hotelgäste, die sich nicht beschweren, zählen auch nix

Guten Tag,
Lassen Sie mich mein Schreiben mit einem Zitat Ihrer Internetseite beginnen:
Das xxx, xxx xxx ist ein 4-Sterne-Hotel mit 255 vollklimatisierten Zimmern, Gratis HSIA Parkmöglichkeiten, Restaurant, Lounge-Bar, Terrasse, Fitnessraum mit Sauna, WLAN.
Damit haben Sie Ihr Hause leider nicht vollumfänglich beschrieben, aber lassen Sie mich das gerne für Sie nachholen:
1. Seien Sie sich sicher, dass sie als yyy-Platin Mitglied im xxx, xxx xxx keinerlei VIP-Vorteile genießen.

Meine Wenigkeit zum Beispiel ist seit mehreren Monaten(!) Platin Mitglied. Ein Club-Status, den ich durch die Treue zu o. g. Hotel erlangt habe. Interessanterweise (trotz ausdrücklichem Wunsch) wurde mir in der gesamten Zeit kein Upgrade auf eine höhere Zimmerkategorie gewährt. Fürwahr, ein Wunsch, der sich bei leerem Executive Floor gar schwerlich erfüllen lässt.
2. Genießen Sie ein Zimmer, das die grauenhaft-möglichste Lage besitzt.
In den nahezu acht Monaten die ich in Ihrem Hause verbracht habe, hat man es mehrfach vollbracht, mich in dem gefühlt schlechtestem Zimmer des gesamten Hauses unterzubringen. Ein paar Erfahrungen in dieser Zeit:
• Die Tröpfeldusche – das Wort beschreibt auch schon die Situation
• Das Niagara-Zimmer – mitten des Nächtens wacht man auf, weil man träumte, der Niagara-Fall verlaufe durch das Hotelzimmer; der Traum trug nur halb, ein Abwasserrohr verursachte tatsächlich eine ähnliche Geräuschkulisse
• Vorläufiger Höhepunkt: Das Baustellenzimmer; in unangenehmer Lage direkt neben einem Maintenance-Raum, bei dem man sich entschloß, um sieben Uhr Morgens den Estrich abzutragen (vom Klang her zu vergleichen mit einer Mischung aus Flughafeneinflugschneise und Zahnarztpraxis)
Nach mehreren Aufenthalten habe ich zusammen mit dem Frontdesk-Personal eine einigermaßen erträgliche Ausschlußliste erarbeitet.
3. Bestellen Sie auf das Zimmer was Sie was Sie wollen – wir liefern Ihnen ein Überraschungspaket!

• Das mag zugegebenermaßen mit der Telefonanlage von anno Dazumal zusammenhängen, dass
o Statt „Drei Spiegeleier mit Pommes Frittes und Salat“ (gesprochen, das möge ich Ihnen versichern, in akzentfreiem Hochdeutsch) ein Omelette erscheint
o Die Aussage „Bitte den Ketchup nicht vergessen!“ führt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Gegenteil führt – nämlich kein Ketchup
o Das der in der Karte erwähnte Salat als eigentlich überflüssig betrachtet wird und somit die freundliche Servicekraft ein wenig mehr Bewegung erhält

4. Wir sparen Kosten – und das merken Sie auch!

• Nachhaltiges Wirtschaften ist nicht erst seit Kopenhagen in aller Munde. Allerdings finde ich, dass die Nachhaltigkeit dort endet, wo am Frühstücksbuffet ein halbleeres Butterschächtelchen mit Haaren feilgeboten wird. Vielleicht mache ich mir ein Zukunft ein Scherz daraus, die Hälfte der o. g. Überraschungsspeisen etwas aufgebessert zurückgehen zu lassen. Das sollte ein Heidenspaß am Frühstückstisch werden!

5. Wir brauchen Ihre Kreditkarte nicht – wir berechnen, was wir wollen!
Ein sehr interessanter Service ist, dass, nachdem eine nicht gerechtfertigte Abbuchung stattgefunden hat, im Nachhinein noch einmal eine „Korrekturbuchung“ durchgeführt wird, auf der der schon als Inkorrekt anerkannte Betrag noch einmal belastet wird. Versuchen kann man es ja immer mal! Dieser Fall konnte mit den Hobby-Graphologen vom Frontdesk und dem mehrere Wochen alten Originalbeleg (sicherlich haben Sie andauernd Stammgäste, die Ihrem Haus ein Abendessen veruntreuen möchten, also liegt der Verdacht auch bei mir nahe) geklärt werden.


Im Moment liegen für meine Person Reservierungen bis Ende Juni 2010 vor. Über ein Feedback Ihrerseits, ob Sie die Beschreibung auf der Homepage an die Wirklichkeit anpassen – oder, noch besser, die nicht ausgeräumten Punkte adressieren, würde mich sehr freuen.

Hochachtungsvoll,
Eher Mann
P.S.: Im Jahre 2009 anno Domini keine E-Mail Adresse für den Kundenkontakt zu haben spricht für ein fortschrittliches Unternehmen.

Montag, 7. Dezember 2009

Vertane Chance

Soeben wurde ich Zeuge einer Konversation im Flieger, deren Ende mich enttäuscht hat. Dabei hätte es doch verschiedenste Möglichkeiten gegeben, angemessen zu enden.

Neben mir saß ein älterer Herr, offensichtlich auf Geschäftsreise. Die Dame mit dem Saftwagen (nicht unattraktiv) fragte ihn etwas überraschend: "Möchten Sie einen Red Bull?" Er darauf etwas kleinlaut: "Hm, was ist denn das?" Sie: "Das ist ein Getränk, das verleiht Flügel" Kurze Pause. "Da können sie das nächste Mal selbst fliegen."

Der ältere Herr beschränkte sich an diesem Punkt auf ein "Nein, danke". Chance vertan. Da fallen einem doch mit Sicherheit viele andere Möglichkeiten ein.

1. Der Charmeur: "Wie? Allein fliegen und auf Ihre nette Begleitung verzichten? Niemals!"

2. Der Genervte: "Dann würden die Flüge wenigstens mal pünktlich sein!"

3. Der Kostenbewusste: "Hm, dann geben Sie mir doch mal ein paar Fläschchen mehr. Dann kann ich in den nächsten Wochen die Flüge einsparen"

Weitere mögliche Antworten sind gern gesehen.

Mittwoch, 4. November 2009

Das Positive an der Schweinegrippe

Seit ein paar Wochen hängen ja überall in den Büros und auch beim Kunden an jedem Waschbecken und in den Kaffeeküchen Halter mit diesen "Desinfektionsmittelspendern" (es sollte reichen, sich die Hände zu waschen, was aber bei den in die IT abgeschobenen Humanressourcen als Kulturtechnik nicht weit verbreitet scheint)...

Das ist sehr nützlich, denn wenn man noch die Fahne aus der Hotelbar vom Vorabend mit sich herumträgt, kann man dann elegant auf "ich habe mir gerade die Hände desinfiziert" schieben!

Samstag, 3. Oktober 2009

Das Beraterleben und die Frauen

Ein schwierges, zum Teil individuelles aber immer präsentes Thema sind die Frauen. Ich stelle fest, dass der Job und eine feste Beziehung nicht zusammenpassen kann. Zumindest nicht, wenn man ein Problem damit hat, nebenher die ein oder andere Dame nicht von der Bettkante zu stoßen.

Vielleicht bin ich hier auch noch nicht Berater genug, aber eine Affäre brachte bisher immer meine Beziehung in große Schwierigkeiten. Gut, es ist aktuell erst die zweite seit 2,5 Jahren Beraterleben, aber diese wird wohl dazu führen, dass ich zukünftig nicht mehr den Duft des Vergebenen haben werde.

Ob es das alles wert war? We will see!

Außer Spesen nix gewesen!

Wir alle wissen ja, dass Berater hoffnungslos übertreiben. Was ihren Tagessatz, ihren Verdienst und natürliche ihre Bettgeschichten angeht.

Tun wir nicht.

In Wirklichkeit ist alles noch viel schlimmer! Weil gettingdrunkinfirstclass.com nicht mehr online ist, brauchen wir eine deutsche Gegenbewegung. Dem Berater muss eine Internetstimmte gegeben werden.

Wir sind verlobt, verliebt, verheiratet und kümmern uns nicht darum. Wir fahren Taxi anstatt unseren eigenen Wagen besoffen zu lenken, wir fahren nicht zur Arbeit aber wir fliegen hin, und wir benennen unsere aktuelle Freundinnen nach einem Hotel.

Wir rechnen Parties als Kundenbindungsmaßnahme ab. Natürlich wird das an den Kunden durchverrechnet. Und ein Bonus ist auch noch drin.

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